Sucht, Suche und Flucht?!

Kinder brauchen seelische Sicherheit

Dem Leitgedanken folgend, dass Suchtvorbeugung   auch immer  bedeutet ,sich mit dem eigenen Leben auseinander zu setzen, fand die Projektwoche zur Suchtprävention  in der IGS Emmelshausen wie jedes Jahr zu den Osterferien statt. Bereits seit über einem Jahrzehnt werden die Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 7 sowohl im Unterricht fächerübergreifend  als auch durch Impulsreferate und Trainingseinheiten von externen Experten für dieses Thema sensibilisiert. 

In diesem Jahr hatten wir die Referentinnen Frau Dr. Francke und Frau Künneth von der Landesapothekenkammer eingeladen. Im Zuge deren gesetzlich verankerten Aufgabe bei der Förderung und dem Schutz der Gesundheit mitzuwirken und präventiv tätig zu werden, wurde von der Apothekenkammer das Projekt „Apotheke macht Schule“ ins Leben gerufen. In diesem Jahr lag der Referatsschwerpunkt beim Thema Alkohol. Unter dem Titel „Sei schlau, nicht blau“ wurden die Schülerinnen und Schüler für die Gefahren des Alkoholmissbrauchs  sensibilisiert. Wichtig dabei war es, ins Gespräch zu kommen, aufzuklären, den „Spaßfaktor“ durch Alkohol in Frage zu stellen und gemeinsam Alternativen zu finden. Dabei wurden auch die Auswirkungen von Alkohol auf den Körper besprochen, die Konsequenzen des „Komasaufens“ aufgezeigt und die Berechnung der Blutalkoholkonzentration erlernt.

Im Anschluss besuchten die Schülerinnen und Schüler die Polizeistation in Boppard. Herrn PHK Durst von der Jugendkriminalität, der  im „PIT“- Programms ausgebildet ist, begleitete die Kinder. PIT ist ein abgestimmtes und aufeinander aufbauendes Unterrichtsprogramm, das Schule und Polizei gemeinsam im Team mit Schülerinnen und Schülern durchführen. Das Projekt unterstützt die Auseinandersetzung mit jugendtypischem Fehlverhalten von Achtlosigkeit über Rücksichtslosigkeit bis hin zur Kriminalität. Als wesentliche Zielsetzung steht die Stärkung der Persönlichkeit und der Auf- und Ausbau sozialer Kompetenzen bei jungen Menschen im Vordergrund. Besonders furchteinflößend empfanden die Kinder die „Ausnüchterungszelle“, fensterlos und ausgekachelt, damit man sie nach Gebrauch gut „kärchern“ kann, steril und mit Stehtoilette neben der Pritsche. So ganz ohne Wohlfühlfaktor, „da will man nicht landen.“

Der letzte Pfeiler des diesjährigen Programmes wurde von Dr. Pinto gestaltet. In dem erlebnispädagogischen Projekt lernten die Schülerinnen und Schüler die Ursachen von Suchtmittelkonsum und Suchtentwicklung kennen und über eigene Erfahrungen zu reflektieren. Sie wurden über die Funktionen von Suchtmittelkonsum im Alltag sensibilisiert und erfuhren, was sie selbst aktiv tun können, um Wohlbefinden im Alltag zu erfahren. Ziel sollte es sein, dass sie wissen, wie sie ihre Bedürfnisse angemessen befriedigen und gleichwertige oder bessere Alternativen zu Suchtmitteln finden. Dazu wurden viele Spiele zur Stärkung allgemeiner Lebenskompetenzen durchgeführt, die die Beziehungs- und Konfliktfähigkeit, sowie die Genuss- und Erlebnisfähigkeit einübten.

Durch die Vielseitigkeit der Projekttage konnten sich alle Schülerinnen und Schüler auf das Thema emotional einlassen und sich intensiv  mit der Frage nach dem Suchtmittelgebrauch auseinandersetzen.

 Miteinbezogen in die Suchtpräventionstage waren auch die Eltern der Klassenstufe 7, denen bei einem Elternabend die Thematik vorgestellt wurde. Denn selbstverständlich hängt die Entwicklung abhängigen Verhaltens nicht allein vom Individuum, sondern auch vom sozialen Umfeld ab. Der Aufbau sozialstützender Netzwerke, z. B Schule-Elternhaus, Institutionen…, sind unbedingt erforderlich. Für eine weiterführende außerschulische Auseinandersetzung mit dem Thema verweisen wir an dieser Stelle auch an Frau Tesch von der Stadtbücherei Emmelshausen, die zu diesem Thema umfangreiche Literatur bzw. DVDs zusammengestellt hat.

Wir waren sehr erfreut, dass sich in diesem Jahr so viele Eltern zu diesem Elternabend angemeldet hatten, um ihre Kinder zu begleiten. Denn:

Leben hat viele Gesichter

Sucht hat viele Ursachen

Pia Hannes
Sonja Dittloff

Suchtprävention an der IGS Emmelshausen

Da die Sucht nicht nur Drogen umfasst, wird von Fachleuten eher der Begriff  "Suchtmittel"  benutzt.  Denn süchtig werden Menschen nicht nur von legalen oder illegalen Substanzen, sondern auch von stoffungebundenen Verhaltensweisen (z.B. Glückspielsucht, Magersucht, Computerspielsucht). Gerade für den schulischen Bereich stehen wie überall Nikotin und Alkohol im Vordergrund. Bei der Suchtprävention an der IGS Emmelshausen stehen jedoch an erster Stelle unsere Schülerinnen und Schüler, die wir versuchen zu starken und eigenständigen Persönlichkeiten zu erziehen, die angemessen auf Suchtmittel reagieren können.

Allerdings kann die Schule nur Prävention leisten und keine Therapie anbieten. Bereits auffällig gewordene Schülerinnen oder Schüler müssen wir an entsprechende Hilfeorganisationen verweisen.

Informationsmaterial über Therapiezentren und Hilfeorganisationen erhalten Sie in unserer Sprechstunde.

Strukturierung der Suchtprävention

Orientierungsstufe:

In der Orientierungsstufe findet die Suchtprävention im Rahmen des „PRoPP – Unterrichts“ einmal wöchentlich statt. Hier geht es um die Stärkung des Selbstbewusstseins und des „Nein-sagen“-lernens.

Mittelstufe:

7/8:

Hier finden Projekttage statt, die mehrere Wochen lang fächerübergreifend vorbereitet werden. (vor allem in Gesellschaftslehre, Deutsch, Biologie, Religion und Ethik, Sport und Musik). Zur Vorbereitung der Projekttage findet ein Elternabend statt. Die Schülerinnen und Schüler besuchen außerschulische Lernorte und Experten werden in die Schule eingeladen.

9/10:

In der weiterführenden Mittelstufe geht es dann um die Intensivierung des in den letzten Jahren Erarbeiteten. Auch hier steht unseren Schülerinnen und Schülern wieder ein Projekttag zur Verfügung, der in Form von Exkursionen, Expertenbefragungen oder Theaterbesuchen zu diesem Thema stattfindet.

"Suchtprävention statt Glühwein an Weihnachten"

Ansprechpartnerin:

Pia Hannes

Sprechstunden: nach Terminabsprache über das Sekretariat